Unabhängiges Voice over IP mit Mumble

Von Voice over IP (VoIP) hat vermutlich jeder von euch schonmal gehört. Wahrscheinlich nutzt ihr es bereits in eurem Festnetzanschluss, da die Telekom ihre Anschlüsse nur noch IP basiert ausliefert und auch andere Anbieter diese Technik schon lange nutzen. Es gibt vielfältige Möglichkeiten Sprache über Netzwerke zu übertragen. Das, was am ehesten mit der klassischen Telefonie vergleichbar ist läuft meistens über das session initiatio protocol (SIP), dies ermöglicht (unter Anderem) ein Vollduplexgespräch (also gleichzeitig hören und sprechen) zwischen zwei Teilnehmern, bei Bedarf lassen sich auch Konferenzen führen. Jedenfalls läuft es dabei immer nach dem Schema: A ruft B an, B nimmt ab (oder eben nicht), und es wird ein Gespräch hergestellt (oder eben nicht).

Einen anderen Ansatz verfolgen Sprachkonferezsysteme wie zum Beispiel Teamspeak oder Ventrilo. Hier gibt es einen zentralen Server auf welchem sich die Benutzer mit einem Client anmelden. Dort haben sie dann die Möglichkeit, mit anderen Benutzern des Servers zu kommunizieren, in erster Linie per Sprache, Textnachrichten sind allerdings auch möglich, ebenso je nach Client Dateiversand. Auf den Servern können virtuelle Räume erstellt werden, denen die User beitreteten können. Für Server und Räume können unterschiedliche Berechtigungen vergeben werden. Das macht die Software sehr flexibel. Ein ebenso großer Vorteil ist die geringe Bandbreitennutzung der Clients, die diese Art der Kommunikation vor Allem – aber nicht nur – bei Gamern beliebt machte.

VoIP mit Mumble

Da oMumble Logoben genannte Anwendungen nicht völlig kostenlos sind bzw. in den kostenlosen Versionen einige Limitierungen bieten komme ich hier auf die freie Alternative namens Mumble zu sprechen.

 

Mumble ist uneingeschränkt Open Source, und zwar sowohl die Client- als auch die Serverkomponente. Der Server namens Murmur kann unter Linux, Windows und OSX recht easy installiert werden. Mumble kann also wie XMPP auch völlig unabhängig betrieben werden, zum Beispiel in Firmen- oder Veranstaltungsnetzwerken ohne oder mit eingeschränktem Internetzugang. Neben der Tatsache dass die Kommunikation zwischen Server und Client in jedem Fall verschlüsselt ist, macht die Tatsache, dass der Server selbst gehosted werden kann, die Sache auf Wunsch sehr (abhör)sicher.

Auf Wunsch insofern, als dass grundsätzlich erstmal jeder auf einen Mumble Server connecten kann, der ihn im Netzwerk erreichen kann. Standardmäßig landet man dann auf der obersten Ebene des Servers, dem sogenannten Root. Dort kann man bereits mit allen Benutzern, die sich ebenfalls im Root befinden sprechen (falls der Administrator des Servers keine andere Standardeinstellung gewählt hat, aber davon gehen wir erstmal nicht aus).

Mumble Screenshot
Das Fenster vom Mumble Dektop Client. Ausprobieren könnt ihr das auf einem beliebigen öffentlichen Server, oder auch auf netbk.de

Befindet man sich auf einem Server auf welchem man sich häufiger unterhalten möchte, sollte man sich registrieren. Das klingt erstmal aufwändig, ist aber mit einem Klick erledigt. Beim ersten Start des Mumble Clients wurde ein Zertifikat erstellt, mit welchem sich der Client eindeutig identifizieren kann. Damit registriert man sich am am Client auf dem PC mit einem Klick auf „Selbst“ und dann auf „Registrieren“. Schon fertig. Das ist komfortabel, im Umkehrschluss hat man natürlich nur den Client registriert, benutzt man mehrere (zum Beispiel einen weiteren auf dem Smartphone), muss man diesen Schritt also auf jedem Client ausführen.

Mit Plumble kann man auch mit Android Geräten sehr einfach an Mumble Gesprächen teilnehmen, ohne auf wichtige Funktionen verzichten zu müssen.
Mit Plumble kann man auch mit Android Geräten sehr einfach an Mumble Gesprächen teilnehmen, ohne auf wichtige Funktionen verzichten zu müssen.

Kanäle und Berechtigungen

Ist man registriert, kann man im Root sogenannte Kanäle erstellen. Kanäle verhalten sich wie Chaträume, man kann ihnen beitreten und mit den Leuten sprechen, die sich in demselben Kanal wie man selbst befinden. Man kann sich jedoch stets nur in einem Kanal (pro Client) befinden. Kanäle verhalten sich also tatsächlich wie Funkkanäle bei einem Funkgerät, bzw. wie die Gruppen bei Tetra Funkgeräten.

Normale Benutzer können nur temporäre Räume erstellen. Verlässt der letzte Benutzer den so erstellten Raum, so  verschwindet er. Administratoren können Räume dauerhaft erstellen, sie sind also immer auf dem Server vorhanden, selbst wenn keine Benutzer darin sind. Außerdem können Administratoren Berechtigungen vergeben, also einen Raum z.B. nur für bestimmte Benutzer betretbar machen. Sie können Räumen auch Passwörter vergeben, sodass sie nur von Nutzern betreten werden können, die das Kennwort kennen. Administratoren können Benutzer auch in Räume verschieben, stumm oder taub stellen, und aus Räumen oder gleich ganz vom Server werfen. Außerdem können Administratoren andere Benutzer zu Administratoren machen. Dies soll aber nur eine kleine Übersicht über das Berechtigungssystem von Mumble sein. Dieses ist zwar grundsätzlich einfach zu bedienen, bei Bedarf aber sehr komplex, sodass wirklich jede Kleinigkeit mit Berechtigungen geregelt werden kann.

PTT oder Sprachaktivierung?

Nun zur eigentlichen Kommunikation. Hier steht natürlich das Sprechen im  Vordergrund. Es gibt drei grundsätzliche Varianten die Sprachkommunikation zu tätigen:

  • Sprachaktivierung
    • aktiviert die Übertragung automatisch wenn man spricht
  • Push-to-talk
    • Aktiviert die Übertragung bei Druck einer wählbaren Taste
  • Kontinuierlich
    • Es wird pausenlos übertragen

Die Sprachaktivierung (Voice Activation) funktioniert erstaunlich gut, insbesondere am PC. Es kommt nur selten zu Echos. Eignet sich vor Allem für Gamer, die wollen dass die Sprache komplett übertragen wird.

Push to talk ist meine bevorzugte Variante. Ich habe mir die Sprechtaste auf STRG-Rechts gelegt, für mich die ideale Lösung. Insbesondere sinnvoll wenn nebenbei ein Fernseher läuft oder man sich mit Mitbewohnern oder Besuch unterhält, ohne dass man die anderen Teilnehmer im Mumble nerven will.

Die dauerhafte Übertragung ist für die meisten Benutzer wohl eher uninteressant. Hier könnte ich mir eine Raumüberwachung oder eine Art von Internetradio vorstellen. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Die Sprachübertragung läuft über die leistungsfähigen Codecs Opus mit CELT. Die Sprachqualität ist hier sehr gut, bei ebenfalls sehr guter Geräuschunterdrückung, niedriger Latenz und niedriger Bandbreite.

Blick über den Tellerrand

Insbesondere wegen der Performance und der bandbreitenschonenden Kompression eignet sich Mumble auch für mobile Anwendungen. Mit Plumble gibt es für Android einen sehr leistungsfähigen Client, welcher auch mit mobilen Datenverbindungen sehr gut zurecht kommt. Ein mehrstündiges Gespräch nimmt nur wenige Megabyte Daten in Anspruch. Das wirklich einzige Manko: Push To Talk funktioniert nur bei aufgerufener Mumble App und entsperrtem Bildschirm. Ansonsten wäre es ein hervorragender Ersatz für mobile Funkanwendungen -ohne Reichweitenbegrenzung. Aber auch so eignet es sich zum Beispiel zum Ingress spielen, mit vielen Spielern auf den Straßen und einigen zu Hause vorm PC, zur Koordination. Mumble kann auch eine Lösung sein für Situationen, bei denen man erstmal nicht auf die Idee kommen würde VoIP zu verwenden. Zum Beispiel als interne Hauskommunikation. Oder zur Verständigung innerhalb von Gruppen unterwegs, zum Beispiel beim Geocaching oder anderen Outdooraktivitäten. Oder zur kostenlosen Telefonie nach Hause aus dem Urlaub. Wie gesagt: Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

 

Mumble könnt ihr euch für Windows, Linux und Mac von dieser Homepage herunterladen,  iOS User bekommen die App Mumblefy im App store, Besitzer von Android Tablets und Smartphones können Plumble  aus dem Play Store oder aus F-Droid herunterladen. Selbstverständlich kostenlos.

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