Zwei „taktische Bauchtaschen“ im Vergleich

Bauchtaschen zählen heutzutage ja nicht mehr zu den angesagtesten Modeaccessoires. Im Gegenteil, häufig sind Bauchtaschenträger mit Klischees belegt und werden belächelt. Ich persönlich habe sie allerdings schätzen gelernt. Insbesondere auf Festivals oder in Freizeitparks sind Rucksäcke eher störend, aber auch auf Städtereisen, im Gedränge auf Weihnachtsmärkten oder bei bewegungsintensiven Ausflügen in die Natur hat eine Bauchtasche durchaus ihre Vorzüge. Der Markt bietet eine riesige Auswahl an Modellen, zwei etwas unkonventionellere möchte ich euch hier vorstellen:

Links das Tasmanian Tiger Hip Bag, Rechts die Helikon Tex Bandicoot
Links das Tasmanian Tiger Hip Bag, Rechts die Helikon Tex Bandicoot

Zum einen ist da ein Modell vom deutschen Hersteller Tasmanian Tiger (TT), einem Urgestein in Sachen taktische Ausrüstung. TT ist die auf Militär- und Polizeiausrüstung spezialisierte Tochterfirma von Tatonka und kann damit auf 35 Jahre Erfahrung im Outdoorsegment zurückgreifen. Vor Allem was Rucksäcke betrifft ist TT für mich damit im militärischen Bereich alternativlos, gerade bei den Rückensystemen welche elementar für guten Tragekomfort bei hohen Lasten sind merkt man den Einfluss des Outdoorausrüsters.

Das andere Modell kommt von Helikon Tex, einem polnischen Hersteller der laut eigenen Angaben seit 1999 produziert, auf dem Markt aber meines Erachtens bei Weitem nicht so präsent ist wie TT. Nichtsdestotrotz habe ich seit vielen Jahren einige Kleindungsstücke von Helikon und bin fast immer sehr zufrieden gewesen, insbesondere was das Preis- Leistungsverhältnis angeht.

Die beiden Modelle sprechen wohl dieselbe Zielgruppe an: Soldaten, Polizisten und Outdoor Enthusiasten die „tactical“ einfach chic finden. Auf die Diensttauglichkeit für Professionals werde ich weiter unten noch eingehen. Hier die harten Fakten (Daten von den Herstellern)

 TT Hip BagHelikon Bandicoot
Abmessungen 25x15x5cm26x15x7cm
Gewicht240g245g
MaterialCORDURA® 700 den100% Cordura® 500D

Tasmanian Tiger Hip Bag

Das Hip Bag von TT besitze ich jetzt seit über zwei Jahren, kann mir also ein recht präzises Urteil erlauben.

Die Tasche ist wie von Tasmanian Tiger gewohnt sehr gut verarbeitet. Das 700er Cordura zeigt quasi keine Abnutzungserscheinungen, lediglich die wesentlich dünnere „Trennwand“ zwischen Front- und Hauptfach scheint zu delaminieren, das stört mich aber nicht weiter. Die Reißverschlüsse sind unbeschriftet, ich vermute aber wie üblich YKK, auf jeden Fall hochwertig. Sie laufen gut, haben allerdings in den Ecken zu kleine Radien um den wirklich superschnellen Zugriff unter Stress zu gewährleisten. Verhakt haben sie sich aber noch nie.

Dasselbe gilt für die Schnalle, diese ist ebenfalls hochwertig und kann durch eine Kletttülle ein wenig vor unbefugtem Zugriff geschützt werden.

Vorn befindet sich eine Klettfläche, auf der eine Nametag angebracht werden kann. Auf der Rückseite sind Schlaufen, damit kann man die Tasche auch am Gürtel tragen, allerdings lässt sich der Hüftgurt nur entfernen indem man ihn abschneidet, hier gilt also ganz oder gar nicht.

Die Schnalle des Hip Bag
Die Schnalle des Hip Bag

Die Aufteilung der Tasche ist übersichtlich. Vorn befindet sich eine flache Fronttasche, diese ist so geräumig dass mein 5,5″ großes OnePlus Two mit Otter Schutzhülle ganz easy darin verschwindet. Auch ein Kopfhörer kann noch locker angeschlossen werden ohne dass der Stecker zu sehr leidet.
Das Hauptfach ist recht hoch, jedoch nicht sehr tief, sodass man größere Gegenstände am besten nebeneinander sortiert, nicht hintereinander, sonst wird es eng. Im Hauptfach ist noch eine recht weite Netztasche, die mit einem Knopf „gesichert“ werden kann, darüber hängt ein kleiner Plastikschnapper für Schlüssel. Auf der Körpernahen Seite des Hauptfaches befindet sich eine Art Neopren, darin sind zwei diagonale Schlitze, in welche man Kurzwaffen stecken können soll (die Tasche ist als Pistolentasche beworben, meine Meinung dazu gibt es weiter unten). Auf dem Neopren sind zwei elastische Schlaufen, die wohl für Magazine gedacht sind, hier kann man Messer und Taschenlampe oder Ähnliches unterbringen.

Hier eine exemplarische Befüllung des Hip Bag
Hier eine exemplarische Befüllung des Hip Bag

Im Bild sieht man, das kleine EDC geht easy in die Tasche. Statt der kleinen Lampe von  Nitecore passt hier auch die große SRT7, die Tasche ist hoch genug. Da mein Portemonnaie (bauartbedingt, nicht inhaltsbedingt) recht dick ist, kann man in der Netztasche jedoch keine größeren Gegenstände mehr unterbringen. Im Bild weiter oben ist die Tasche übrigens genau so befüllt.

Helikon Tex Bandicoot

Die Bandicoot habe ich jetzt seit etwa einem halben Jahr. Eigentlich wollte ich nur mal eine Alternative zum Hip Bag ausprobieren, und da ich viele gute Erfahrungen mit Helikon Tex gemacht habe, fiel meine Wahl auf dieses Modell.

Die Verarbeitungsqualität steht der von TT zumindest bei diesem Modell in nichts nach. Die Reißverschlüsse sind YKK und laufen entsprechend, die Schnalle schließt ebenfalls satt und sicher. Vorn befindet sich eine ziemlich große Klettfläche mit dem eingelaserten Logo, dem Leguan, von Helikon, daran lassen sich neben Nametags auch z.B. Hoheitsabzeichen oder Moral Patches anbringen.

Das Frontfach hat etwas abgerundete ecken und ist insgesamt deutlich kleiner als beim Hip Bag. Das OnePlus Two passt zwar mit Hülle auch hier ohne größere Schwierigkeiten hinein, jedoch wird es hier deutlich enger und bei Kopfhörern passen nur abgewinkelte Stecker ohne dass sie drohen abzubrechen.

Das Hauptfach ist weniger hoch, dafür aber voluminöser als das des Hip Bag. Hier muss man nicht so präzise sortieren, auch hier findet sich ein Netzfach, welches mit Reißverschluss verschließbar ist.
Sortieren ist allerdings gerade die Stärke der Bandicoot: Im Innern befindet sich auf der Körpernahen Seite eine Vielzahl von Schlaufen in diversen Größen, unter- wie nebeneinander. Hier kann man der Phantasie wirklich freien Lauf lassen und nach Herzenslust befüllen.

Hier ist insgesamt mehr Platz als in der TT Tasche
Hier ist insgesamt mehr Platz als in der TT Tasche

Der Clou: Die Sortierschlaufen sind an einer Klettplatte befestigt und lassen sich in Gänze aus der Tasche herauskletten:

bandicoot_empty
Durch das herausnehmbare Sortiersystem ist die Tasche sehr vielseitig

Zusätzlich befindet sich auf der Rückseite noch ein dünnes Fach, welches recht schwer zugänglich ist, sich also z.B. für Geldscheine eignet. Da sich dieses Fach unmittelbar am Körper befindet eignet es sich nicht besonders für harte oder spitze Gegenstände, die merkt man beim Tragen sonst unangenehm.
Hinter diesem Fach lässt sich ein Gürtel durchführen, man kann die Tasche also auch am Gürtel oder Rucksackgurt tragen. Helikon Tex hat allerdings nachgedacht und man kann den Hüftgurt aushaken und abnehmen. Sieht immer noch provisorisch aus, ist aber praktikabel. Die Tasche ist übrigens nicht hoch genug für die Nitecore SRT7 – dies nur zum Vergleich.

Professionelle Nutzung der Bauchtaschen

Wie oben bereits angedeutet werden beide Bauchtaschen als „tactical“ beworben, die TT sogar als „Waffentasche“.

Hip Bag als „Holster“

Zunächst zur TT und dem Thema Waffen im Speziellen:
Ohne zu sehr ins taktische Detail zu gehen fallen mir spontan drei Gründe ein, die für eine Verwendung einer Bauchtasche statt Holster sprechen könnten:

  • Conspiracy
  • Waffenschutz
  • Handhabungsvorteil

Zu Conspiracy fehlt mir die passende deutsche Vokabel, gemeint ist das verdeckte Tragen der Waffe. Allgemein ist eine Bauchtasche ohnehin nicht die beste Wahl für verdecktes Vorgehen (manche sagen, nach der Bauchtasche kommt nur noch die Uniform), eine als Waffentasche beworbene Bauchtasche mit dem Logo des bekannten Militär- und Polizeiausrüsters… Ich glaube ich brauche gar nicht mehr schreiben.

Wenn die Tasche die Waffe besonders vor Wegnahme schützen würde hätte sie vielleicht ihre lageabhängige Daseinsberechtigung. Wer jedoch schonmal in Barcelona U-Bahn gefahren ist, hat vielleicht am eigenen Leib erfahren, dass eine Bauchtasche keinen besonderen Schutz gegen Diebstahl bietet.

Würde die Tasche einen Vorteil beim schnellen Ziehen der Waffe unter Stress bieten, wäre sie vielleicht nützlich… Diesen Vorteil bietet sie allerdings nicht. Entweder die Tasche ist auf, dann ist die Waffe allerdings vor Blicken und Händen vollkommen ungeschützt, oder die Tasche ist zu, dann brauche ich sicherlich 3-5 Sekunden um die Waffe im Anschlag zu haben, da die Reißverschlüsse wie oben schon angedeutet erst um diese Ecken manövriert werden müssen.

Kurz: All das, was die Tasche kann, kann ein normales Zivilholster besser. Anderswo als auf dem Weg zum Training kann ich mir die Tasche als Holster nicht vorstellen – aber auch da spricht nichts gegen ein normales Holster.

Die Bandicoot gibt es übrigens in sechs verschiedenen Farben, neben Oliv, Coyote, grau und schwarz auch mit zwei Tarnmustern.

Hip Bag und Bandicoot für Professionals?

Bei der sonstigen Verwendung sieht es schon anders aus. Da wo sonst Bauchtaschen anderer Hersteller Verwendung finden glänzen diese beiden Modelle durch Flexibilität und Haltbarkeit. Das Argument „konspirativ“ gilt natürlich hier wie oben, man kann so eine Tasche aber natürlich auch unter der Jacke tragen, wobei die TT hier bauartbedingt weniger aufträgt als die Bandicoot, die doch schon einen ordentlichen Babybauch verursacht. Erfahrene Kundschaft dürfte aber auf alle diese Versionen sensibel reagieren.

Die Verwendung bei Soldaten sehe ich eigentlich nicht, eventuell mit Ausnahme einiger sehr leicht ausgerüsteter Einheiten – aber da fehlt mir Hintergrundwissen.

Fazit

Es handelt sich hier um zwei tolle Taschen mit ihren eigenen Stärken und Schwächen. Ich sehe den Einsatzbereich ganz klar im privaten Bereich, im Freizeitpark, in der Stadt oder der Wildnis. Auch wenn mir das Hip Bag lange treue Dienste geleistet hat und noch lange nicht aussortiert wird, tendiere ich persönlich eher zur Bandicoot, da diese flexibler ist und ich sie optisch ansprechender finde. Beide Taschen sind für knapp unter 30€ zu bekommen, wer eine gescheite Bauchtasche sucht sollte sich diese Modelle mal ansehen.

2 Antworten auf „Zwei „taktische Bauchtaschen“ im Vergleich“

    1. Hallo Benjamin,
      eine 1l Nalgene Flasche passt leider in keine der beiden Taschen. Die einzige Möglichkeit die ich sehe ist sie mittels Karabiner oder Molle Pouch an Gurt oder Tasche zu befestigen.

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